Caps kapiert

April 3, 2007 · Filed Under Produkte, Sport · Comment 

Eines vorab:
Dieses Review schreibe ich nicht, weil ich auch nur einen Cent dafür bekomme, sondern lediglich, weil ich verdeutlichen möchte, wo PR ansetzen kann, um mit kleinen Mitteln möglicherweise einen positiven Effekt zu erzielen.

Gestern komme ich nach Hause und finde vor der Tür ein Paket stehen. “Nichts bestellt”, denke ich, “was soll’n das jetzt wieder ?”. Ich schaue auf den Adress-Aufkleber und sehe, daß es an den Sport-Blogger adressiert ist. Das bin ich, respektive mein Blog. Post an den Sport-Blogger ? Warum ? Abmahnung ? Nee, nicht als Paket !
Also reiße ich das Ding auf und erblicke Folgendes:

CapsCaps 2Caps 3

Caps, noch nie gehört bzw. gesehen. GetränkSportgetränk. Mit Informationen in einer Pressemappe. Also Webseite aufgerufen und flashige Seite vorgefunden. Ist aber gut gemacht. In der Mappe ist nachzulesen, daß Caps eine Workshop City-Tour mit dem Thema Parkour veranstaltet.
Respekt ! Da hat doch eine PR-Agentur die Suchmaschinen gecheckt und gemerkt, daß ich beim Sport-Blogger schon mehrere Beiträge zum Thema “Parkour” veröffentlicht habe.
Hey, warum nicht. Ich meine, statt über die Kommentarfunktion Blogs mit irgendeinem seichten Geschwätz zuzumüllen, einfach relevante Webseiten abgrasen, ins Impressum schauen, Produkt nett verpacken, verschicken, und dem Blogger ohne Aufforderung selbst die Wahl lassen, ob er/sie das Zeug für gut befindet und darüber schreiben möchte. Keine Aufforderung: “Schreib doch was”, oder “Du und dein Blog sind das Coolste” oder “Unser Getränk ist sooo toll”.

Und nur deshalb, weil die PR-Jungs/Mädels nämlich dieses Prinzip kapiert haben, schreibe ich dieses Review. Ich weiß nicht, wie oft ich bei den Bandscheiben etwas (Positives) über Produkte geschrieben habe, ohne jemals eine Reaktion auf diese Beiträge zu erhalten – in diesem Sinne ist es auch eine Form von persönlicher Kritik an den anderen Agenturen.
Nicht, daß ich nach Aufmerksamkeit lechze oder denke, ich sei besonders wichtig, in diesem Fall hätte ich die Bandscheiben schon lange dicht gemacht. Es ist einfach die Tatsache, daß Hersteller und viele PRler nicht kapieren wollen, daß solche Aktionen direkt ins Herz der Zielgruppe stoßen. Da sucht jemand in einer Suchmaschine genau das, was ein Shop anbietet oder ein Hersteller produziert und wenn der Suchende auf eine persönliche, nicht gesponsorte Meinung, eines fachkundigen Bloggers trifft, ist das zig mal mehr wert, als ein beknacktes Werbeplakat, daß zu 99% übersehen wird. Aus meiner Sicht läge nichts näher, als bei Einführung eines neuen Produkts (oder Verbesserungen bei Bestandsprodukten) diejenigen, die ohnehin (positiv) berichtet haben, mit ebendiesen Produkten zu versorgen, um ggf. anständige und objektive Beurteilungen zu erhalten. Kritiker könnten auf diese Weise gleichsam von Verbesserungen überzeugt werden, denn auch Kritik ist wichtig, um eine offene Unternehmenskommunikation und den Willen zur Verbesserung nach außen zu belegen.
Es geht nicht allen ausschließlich darum, 8000 Dollar im Monat zu verdienen. Es reicht oftmals schon aus, wenn das Gefühl aufkommt, als Konsument wahr- und ernstgenommen zu werden. Und dafür sind Blogger mit ihren Blogs die ideale Plattform. Die Damen und Herren Blogger schreiben sich teilweise für Nischenthemen die Seele aus dem Leib, sind produktiv, meist objektiv und recherchieren gut. Warum dann nicht viel Geld für sinnlose Werbung sparen, wenn durch ein wenig Recherche genau die Leute erreicht werden können, die in ganz engem Kontakt mit der Produkt-Zielgruppe stehen ?

Und weil wir gerade beim Thema sind und ich so richtig gut in Fahrt komme, liebe Werbetreibende (und Hersteller):
Ihr wart doch bestimmt alle ganz heiß auf den “Long Tail” und habt das Buch mit Begeisterung gelesen !? Dann habt Ihr mit Sicherheit auch kapiert, daß der lange Schwanz nicht nur für die Verfügbarkeit von Produkten, sondern auch für die Verfügbarkeit von Meinungen zu diesen Produkten Gültigkeit hat.
Egal zu welchem Thema ich im Internet eine Meinung suche, ich werde zu 99 % fündig. Und wenn die Nische noch so versteckt ist, irgendjemand hat genau zu diesem Thema, daß ihr an den Mann bringen wollt, etwas geschrieben. Und wenn diese Meinung nicht vom Hersteller, sondern von einer neutralen, objektiven Quelle stammt, umso besser für Euch und eurem Umsatz/Gewinn.
Habe fertig !

Zum Produkt selbst:
Caps kommt aus dem Hause “Capri-Sonne” und ist laut Angaben des Herstellers auf die Bedürfnisse von Ausdauersportlern zugeschnitten. Die Verpackung ist pfandfrei, handlich und unzerbrechlich. Als weitere Besonderheit von Caps wird der niedrige glykämische Index angegeben. Also keine plötzlicher Leistungsabfall, wie z. B. nach der Zufuhr von Traubenzucker, sondern ein langsamer Anstieg des Blutzuckerspiegels und damit im günstigen Fall eine länger anhaltende Energieversorgung durch die zugeführten Energielieferanten Fruchtzucker und Weizendextrin.
Es handelt sich um ein mineralisiertes, isotonisches Getränk wodurch eine gute Versorgung mit Magnesium und Natrium über die schnelle Resorption in die Blutbahn gewährleistet werden soll.
Nettes Feature: Mitgeliefert wurde ein Band mit kleinem Clip, der am “Flaschenhals” befestigt werden kann, damit das Getränk nicht verloren geht.

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Ich glaube nicht, daß ich diese Option verwenden würde, aber es wird sich schnell herausstellen, ob die Konsumenten diese Feature als sinnvoll erachten.
Geschmack:
Nun ja, ein isotonisches Getränk eben. Hat mich geschmacklich nicht umgehauen. Muß es aber auch nicht, denn Geschmack führt meistens Zusatzstoffe mit sich, die sich insbesondere bei Ausdauerleistungen schnell in unangenehmen Rülpsern und Magenschmerzen äußern können. Ich bin danach nicht gejoggt, kann aber nicht sagen, daß ich nach dem Konsum von Caps irgendwelche unangenehmen Nebenwirkungen verspürt hätte. Kein ekliger Nachgeschmack, kein Aufstoßen, Durchfall o. ä.
Verpackung:
Scheint sehr robust, ist flexibel und kann ohne Platzer geknautscht werden. Beschichtete Verpackungen finde ich allerdings aus ökologischen Gesichtspunkten sehr bescheiden – deshalb ein Minus von mir für diese Lösung. Die Beschichtung ist allerdings bei solchen Produkten notwendiges Übel, um die Qualität der Inhaltsstoffe zu gewährleisten. Vielleicht findet sich ja diesbezüglich zukünftig auch eine andere Lösung.
Caps läßt sich leicht öffnen und kann durch den Knautschfaktor nahezu restlos entleert werden, allerdings kam mir beim Öffnen ein kleiner Schwall Flüssigkeit entgegen, ein Effekt der bei “aktiver Verwendung” verstärkt auftreten könnte.
Fazit:
Kann für den Konsumenten, der auf isotonische Getränke steht, eine Alternative zu den anderen Produkten sein, da Caps flexibel, robust und leicht zu konsumieren ist. Die Behälter können gut verstaut werden und sind wiederverschließbar. Der Preis liegt mit € 0,69 für 330 ml im erträglichen Rahmen, kaum teurer als ‘ne Dose Coke ;-)