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Wo ist die Leichtathletik ?

7.Juli 2007 · Abgelegt unter Leichtathletik, Sport 

fragt sich die Wissenswerkstatt. Keine Frage, Marc formuliert es wesentlich eleganter, aber schlußendlich läuft es doch darauf hinaus.

Als “alter Leichtathlet” habe ich mir diese Frage schon auch sehr oft gestellt. Regelmäßig ernte ich verständnislose Blicke, wenn ich frage, ob nicht jemand die Übertragung des letzten Leichtathletik-Meetings angeschaut hat.
Ich würde auch gern über die Leistungen der Sportler (oder auch die Sportler selbst) diskutieren, aber wenn Leichtathletik auf den Tisch gebracht wird, verstummen die lebhaftesten Diskussionen. Ein kleiner thematischer Schwenk zu den Neuzugängen eines Vereins der Fussball-Oberliga kann allerdings Wunder wirken – schnell mutiert der sportliche Exot wieder zum echten Kumpel.

Ich glaube nicht, daß ausschließlich die Medien als terminierender Faktor fungieren. Ich stimme Marc vollkommen zu, wenn er sagt:

Kein Wunder also, daß sich dem eher versehentlich mit Leichtathletik konfrontierten Zuschauer, der am Sonntagnachmittag ins Sportprogramm schaltete, der Reiz dieser Sportart nicht erschließen mag.

Aber wie sollen eine langatmige Qualifikation oder Vor- und Zwischenlauf so verpackt werden, daß Zuschauer mit dem Sessel verleimen ? Fußball, Formel 1, Handball oder auch die letzte Stunde einer Bergetappe bei der Tour de France weisen eine mediengerechte Konstantdramatik auf, d.h. in jedem einzelnen zukünftigen Moment kann das Ereignis stattfinden, das über Sieg und Niederlage entscheidet. Teilweise sind Großaufnahmen der Gesichter “im Kampf” möglich, es gibt taktische Vorgaben, die (teilweise) gut nachvollziehbar sind (und sind sie nicht nachvollziehbar, kann darüber spekuliert werden), oftmals ist ein echtes Mitleiden möglich. Bei manchen Bergetappen hatte ich das Gefühl, mit Ullrich zu verschmelzen, quasi für und mit ihm den Berg hinauf zu fahren – ich meinte, ihn hinaufziehen zu können bzw. zu müssen. Oder Boris Becker: ich war mindestens genau so sauer wie er, wenn der Linienrichter eine offensichtliche Fehlentscheidung getroffen hatte. Die Wut und das Leid in seinem Gesicht spiegelte sich in meiner Mimik wider.

All das fehlt mir persönlich bei den Übertragungen der Leichtathletik und ich denke, vielen wird es nicht anders gehen. Ausnahmen stellen z. B. Marathonläufe dar, was sich auch entsprechend in der Einschaltquote äußert.
Mediengerechtes Zeitformat, potentiell konstante Dramatik, das Sportereignis kann erlebt werden. Btw – nicht nur während des Wettkampfs bzw. Spiels bestimmt das Erlebnis die Begeisterung. Entscheidende Szenen können im Anschluß taktisch zerlegt und wunderschöne “Was wäre gewesen, wenn/wenn nicht” Szenarien aufgebaut werden. Was hingegen soll bei einem 100m-Finale im Anschluß zerlegt werden ? Wer schneller läuft, gewinnt eben – toll.

Nichts gegen ein 100m-Finale oder einen Zehnkampf, aber auch einem ehemaligen Leichtathlet vermittelt ein solcher Wettkampf kein annähernd so “aufregendes Erlebnis” wie z. B. ein Handballspiel o. ä.

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